Die Freie und Hansestadt verfügt unter ihren 104 Stadtteilen auch über einen Stadtteil oder vielmehr eine Insel in der Nordsee. Die Insel Neuwerk gehört seit dem 13. Jahrhundert zur Hansestadt und befindet sich vor der Elbmündung kurz vor der Stadt Cuxhaven. Auf der Insel steht seit rund 650 Jahren ein großer Backstein Leuchtturm der den Schiffen den Weg nach Hamburg zeigte bzw. vor der Insel warnte. Heute lebt die Insel vom Tourismus und es werden Hotels, Ferienwohnungen, Restaurants und sogar Heuhotels betrieben.

Aktuell hat Neuwerk 30 Einwohner. Zeitweise wohnen einige Mitarbeiter der HPA (Hamburg Port Authority) auf der Insel, welche für die Instandsetzung der Infrastruktur und den Küsten- bzw. Hochwasserschutz zuständig sind.

Durch Tagesgäste und Übernachtungsgäste kommen in der Saison ca. 2000 Personen am Tage und nachts ca. 450 Personen zusammen, welche sich auf ca. 7 km² aufhalten und in der Nordseebrise erholen.

Da es auch bei Urlaubern zu Unfällen, medizinischen Notfällen und nicht polizeilichen Gefahren kommen kann, hat Neuwerk eine eigene kleine Freiwillige Feuerwehr. Diese gehört zu den 86 Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Hamburg.

Durch den Umstand der unbedingten Notwendigkeit der nicht polizeilichen Gefahrenabwehr und der Kollision zwischen beruflichen und gesellschaftlichen Verpflichtungen hat die Wehrführung der FF Neuwerk um Unterstützung in den Saisonmonaten gebeten.

Mit der Aktion „Neuwerk braucht Dich“ wurde Anfang des Jahres begonnen für dieses Jahr Feuerwehrangehörige, zuerst aus Hamburg und später aus ganz Deutschland, zu suchen. Diese mussten gewisse Voraussetzungen erfüllen, wie zum Beispiel eine Ausbildung zum Maschinisten mit einer gültigen Fahrerlaubnis der Klasse C oder im Bereich der Notfallmedizin mindestens die Ausbildung zum Sanitäter der FF (Hamburg). Jeder der solch eine Ausbildung nachweisen konnte, durfte sich je für eine Woche (Samstag – Samstag) im Zeitraum Mai bis September bewerben.

Auch wir bewarben uns um eine Woche Bereitschaftsdienst auf der Insel. Wir sind Tyra, Moritz, Michael und Familie. Da wir die erforderlichen Qualifikationen deutlich abdecken konnten, wurde unserem Wunsch entsprochen und wir durften die erste Maiwoche nach Neuwerk reisen.

Da es auf Neuwerk bedingt durch die derzeitige Pandemie keine Möglichkeit gibt einkaufen zu gehen, mussten wir alles für 8 Tage mitnehmen. Angefangen bei der Bettwäsche bis hin zu allen Verbrauchgütern und Lebensmitteln. Die Reise begann am Samstagmorgen an unserem Feuerwehrhaus in Hamburg Eimsbüttel wo das Gepäck verladen wurde und wir uns frohen Mutes auf den Weg nach Cuxhaven machten. Dort angekommen mussten wir alles an Mann und Maus auf einen großen Wattanhänger verladen, welcher uns anschließend durch das Watt auf die Insel und weiter zu unserer Unterkunft brachte.

Die Unterkunft für die unterstützenden Feuerwehrangehörigen und deren Mitreisenden wurde in der „alten“ Inselschule, direkt neben der Neuwerkstatt, eingerichtet. Dort stehen zwei Wohnungen zur Verfügung. In der „großen“ Wohnung gibt es neben einen großzügigen Küchenbereich und einem Wohnzimmer, zwei Bäder und 3 Schlafzimmer mit Platz für 6 Personen. In der „kleinen“ Wohnung gibt es einen großen Raum in dem die Küche sowie der Wohnbereich untergebracht sind. Insgesamt können in dieser Wohnung 2 Personen in einem Schlafzimmer und ggf. zwei weitere Personen auf einer Schlafcouch untergebracht werden. Beide Wohnungen sind mit allem Nötigen ausgestattet und sind sehr gemütlich.

Die Inselschule, unsere Unterkunft

Im Außenbereich des Gebäudes befindet sich eine Terrasse die zum Verweilen einlädt, eine Korbschaukel und ein im Boden eingelassenes Trampolin für Klein und Groß.

Nach dem Beziehen unserer Unterkunft, ging es gleich los die Insel erkunden und unsere Schutzkleidung zum Feuerwehrhaus zu bringen. Am Gerätehaus der FF Neuwerk angekommen machten wir uns als erstes ein Bild von unserer Ausstattung und führten eine umfassende Geräteprüfung durch. Ein Teil unserer Aufgabe ist es auch etwaige Mängel festzustellen und diese möglichst abzustellen, um einen optimalen Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten. Nach der Geräteprüfung führten wir eine Einweisungs- und Gewöhnungsfahrt mit den Fahrzeugen durch. Hierbei war vor allem die Fahrt mit dem Rüstlöschfahrzeug (Unimog) etwas Besonderes. Weitere Infos zu den Fahrzeugen finden Sie weiter unten in diesem Artikel.

An den folgenden Tagen wurden weitere Arbeiten im Feuerwehrhaus und an den Fahrzeugen durchgeführt. Ansonsten genossen wir alle Ruhe, Einsamkeit und die frische Brise der Nordsee.

Durch die Beschränkungen hervorgerufen durch die Pandemie durften keine Touristen auf die Insel, welches dazu führte, dass es bei unzähligen Spaziergängen nur wenige Begegnungen mit anderen Menschen gab. Und so vergingen die Tage wie im Flug.

Wir alle haben diese Zeit sehr genossen und werden im nächsten Jahr wieder kommen. Ganz besonders möchten wir den Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft der Inselbewohner herausstellen.

Die "große" Wohnung

Die "kleine" Wohnung

Rettungswagen

Funkrufname: Florian Hamburg Neuwerk RTW A (Anton)

Bei diesem Fahrzeug handelt es sich um ein Exemplar der letzten RTW Generation, die in Hamburg im Einsatz war. Dieser ist voll ausgestattet und bietet eine adäquate Versorgungsmöglichkeit. 

Sollte ein Weitertransport in ein Krankenhaus erfolgen müssen, werden die Patienten entweder von einem Hubschrauber, einem Seenotrettungskreuzer der DGzRS oder durch einen Wattwagen auf das Festland befördert. Hierbei kommt es auf den Zustand des Patienten an sowie auch den Wasserstand bzw. das Wetter. 

Die notwendige Ausbildung für die Versorgung von Patieten erhalten die Mitglieder der FF Neuwerk durch einen jährlich wiederholenden Lehrgang und die Unterstützer durch den Lehrgang „Sanitäter der FF“.

Rüstlöschfahrzeug

Funkrufname: Florian Hamburg Neuwerk 1

Dieses Fahrzeug ist auf der Basis einen ehemaligen RW1 (Rüstwagen 1) aufgebaut und speziell für die Belange der Nordseeinsel angepasst. Zusammen mit dem Anhänger „TSA“ (Anhänger Tragkraftspritze) verfügt das Fahrzeug über alles Notwendige um die nicht polizeiliche Gefahrenabwehr durchführen zu können. 

Besondere Ausrüstungsgegenstände sind zum Beispiel ein festverbauter Stromerzeuger, ein Brennschneider oder eine Winde am Fahrzeug. Im Weiteren gehört zu diesem Fahrzeug noch ein Schneeschild, welches in der Fahrzeughalle gelagert wird. 

Das Fahrzeug hat keine fest verbaute Pumpe. Auf diese kann verzichtet werden, da im Falle eines Feuers auf Neuwerk das Hydrantennetz auf einen Leitungsdruck von 10 Bar erhöht wird und somit direkt vom Hydranten gearbeitet werden kann.